Leider war es in den letzten Wochen etwas stressig und der Blog wurde etwas vernachlässigt. Ich habe mir aber fest vorgenommen, in nächster Zeit wieder etwas mehr zu schreiben. Wie zum Beispiel heute über das Thema Einkommenssteuererklärung in Norwegen. Genau damit musste ich mich nämlich vor ein paar Tagen rumschlagen. Naja eigentlich ist die Steuererklärung hier in Norwegen gar keine große Sache - zum Glück. Das funktioniert ähnlich reibungslos wie in Schweden.
Alles fing damit an, dass das Finanzamt in der Nacht zum 20. März 2012 die Steuerdaten für 4,4 Mio Steuerpflichtige in Norwegen online zugänglich machen wollte. Für die technische Umsetzung und den Internetzugang ist der Dienstleister Altinn verantwortlich. Ich versuchte mich am Dienstag früh einzuloggen, bekam aber da bereits den Hinweis angezeigt, dass es technische Probleme gibt und der Zugang beschränkt ist. Normalerweise ist das so gedacht, dass man seine Selvangivelse (Einkommenssteuer Erklärung) entweder über das Internet oder in Papierform einreicht. Die Frist dafür ist der der 30. April. Nachdem Altinn bereits 2011 massive Probleme hatte, haben sie in diesem Jahr den Bock abgeschossen. Alle die sich am Dienstag Abend gegen 18 Uhr auf der Seite von Altinn einloggen wollten um ihre Selvangivelse einzusehen, bekamen die kompletten Steuerdaten eines Kenneth aus Oslo zu sehen. Datenschutz lässt grüßen. Kurz nachdem das bekannt wurde, hat man beschlossen das Angebot komplett vom Netz zu nehmen und mehrere Tage zu sperren. Ich konnte also erst eine Woche später in meine Steuererklärung schauen.
Genau wie in Schweden ist auch in Norwegen alles vorausgefüllt. Das ich in den ersten beiden Monaten in Norwegen 50% Steuern bezahlt hatte, war genau so berücksichtigt wie alle automatischen Freibeträge die jedem zustehen (z.B. Minstefradrag). Eine Sache wird allerdings nicht automatisch in die Steuererklärung aufgenommen. Hier müsst ihr aufpassen, sonst verschenkt ihr Geld! Für Ausländer gibt es die Möglichkeit in den ersten beiden Jahren eine 10% Steuerfreibetrag zu bekommen. Das Ganze nennt sich Standardfradrag. Ihr nehmt euer Bruttogehalt vom letzten Jahr und berechnet davon 10%. Maximal darf man aber nur 40.000 NOK deklarieren, für alle die mehr als 400.000 NOK im Jahr verdient haben. Für den Betrag, den ihr als Standardfradrag deklariert bezahlt ihr keine Steuern in den ersten beiden Jahren. Ich habe für 2011 den Maximalbetrag von 40.000 NOK deklariert und bekomme dafür jetzt 36% Steuern zurück (zirka 14.400 NOK), nicht schlecht. Hier seht ihr auch, dass es sich lohnt zur richtigen Zeit nach Norwegen zu kommen um zu arbeiten. Ganz schlecht ist, wenn ihr Ende des Jahres anfangt, denn dann „verschenkt“ ihr euren Standardfradrag im ersten Jahr. Idealerweise sollte ihr immer Anfang des Jahres nach Norwegen gehen oder zumindest im laufenden Jahr noch soviel verdienen, dass ihr einen schönen Standardfradrag deklarieren könnt. Auf dieser Webseite für Schweden in Norwegen, habt ihr zwei schöne Videos die zeigen wie man den 10% Standardfradrag in seiner Steuererklärung deklariert. Eine Sache sei noch zu erwähnen. Der Standardfradrag ist ein pauschaler Freibetrag. Falls ihr ihn verwendet, könnt ihr eine Reihe anderer Steuerermäßigungen nicht mehr angeben, z.B. für die Besuchsreisen im Heimatland, Fahrten zur Arbeit etc. Mehr dazu kann man hier nachlesen.
Wir haben unsere Steuererklärung über Internet eingereicht. Die vorausgefüllten Steuererklärungen auf Papier kamen Anfang April mit der Post und wurden einfach weg geheftet. Schauen wir mal wie lange es dauert bis das norwegische Finanzamt das Geld auszahlt, dass wir für 2011 zurückbekommen sollen. Ich rechne mal vorsichtig mit Juni.
In Norwegen ist bekanntermaßen alles teuer. Das an sich wäre kein Problem, da man sich dank Internet ja alles mögliche nach Hause bestellen kann. Leider ist Norwegen aber kein Mitglied in der europäischen Union. Deshalb gibt es besondere Regeln bzgl. Einfuhrzoll und Umsatzsteuer. In Schweden war es super einfach, sich Elektronik, Hardware oder andere Konsumgüter aus Deutschland zu bestellen, wenn diese dort billiger waren. In Norwegen geht das zwar auch, man muss dann aber beim Abholen des Pakets auf der Post sofort Einfuhrzoll und Umsatzsteuer bezahlen.
Jedes Paket, das nach Norwegen geschickt wird, muss mit einem kleinen Zollaufkleber versehen werden, der den Paketinhalt deklariert. Bei privat versendeten Paketen, z.B. Fresspaketen aus Deutschland, musste ich bisher noch nie Einfuhrzoll bezahlen. Eigentlich sind Privatsendungen nur bis zu einem Wert von 1000 NOK zollfrei, aber hier wird meistens nicht genau hin geschaut, besonders wenn der Absender einen geringeren Wert deklariert. Diese Pakete holt man einfach so bei der Post ab. Anders sieht die Sache aus, wenn man sich gewerblich etwas bestellt. Liegt der Warenwert unter 200 NOK, dann muss man auch für solche Pakete nichts bezahlen. Da einige Onlineshops kostenlosen Versand anbieten, kann es also Sinn machen, mehrere kleine Bestellungen statt einer großen aufzugeben. Übersteigt der Warenwert 200 NOK müsst ihr beim Abholen Umsatzsteuer von 25% und eventuell Einfuhrzoll bezahlen. Einige Waren, z.B. Bücher oder Fotokameras, können zollfrei eingeführt werden. Es gibt einen Importrechner auf der Webseite vom norwegischen Zoll, der ganz gut ist.
Gut zu wissen ist außerdem, dass man bei Bestellungen aus dem Ausland nach Norwegen darauf bestehen kann, im Land des Absenders keine Mehrwertsteuer zu bezahlen. Amazon achtet darauf beispielsweise automatisch, wenn ihr Artikel aus Deutschland oder Großbritannien bestellt. Als ich mir vor einem Monat ein neues Snowboard aus Deutschland bestellt habe, musste ich beim Anbieter allerdings vorher nachfragen, da deren automatisches Bestellsystem immer deutsche Umsatzsteuer aufgeschlagen hat. Er hat meine Bestellung dann einfach per Email entgegen genommen und die deutsche Mehrwertsteuer abgezogen. Falls ihr darauf also nicht achtet, kann es passieren dass ihr zweimal Umsatzsteuer bezahlt - einmal im Land des Absenders und dann in Norwegen beim Abholen.
Falls die Sendung mit UPS oder DHL geliefert wird, läuft das mit den Gebühren eventuell etwas anders. Diese Unternehmen legen die Zollgebühren und die Umsatzsteuer oft für den Empfänger aus und schicken später eine Rechnung. Das Paket wird in der Regel zur Haustür geliefert, die Gebührenabrechnung folgt einen Monat später. Traurigerweise muss man sagen, dass die meisten Waren trotz Einfuhrzoll und 25 Prozent Umsatzsteuer immer noch günstiger sind, als wenn man sie direkt in Norwegen kauft. Norwegen ist eben ein teures Land. Ein Onlineshop der mir besonders ans Herz gewachsen ist, seit wir in Norwegen wohnen, ist DealerExtreme. Alle Artikel von DealerExtreme werden weltweit kostenlos versendet. Es handelt sich in der Regel um billige Ware aus Asien, der Versand dauert also gerne mal 3 Wochen oder länger. Die Preise von DealerExtreme sind aber auf jeden Fall nicht zu toppen. Lustigerweise kann man bei DealerExtreme für $0,01 seine Bestellung als Geschenk Service verschicken lassen. Das Warenpaket wird dann etwas "inoffizieller" ohne das DealerExtreme Logo und als Geschenk versendet, nicht zuletzt um die Einfuhrzollgebühr zu sparen. Ob der norwegische Zoll darauf hereinfällt wird die nächste Bestellung zeigen.
Ein klein wenig anders sieht die Sache übrigens aus, wenn eure Verwandten keine Pakete schicken sondern das Fresspaket persönlich vorbeibringen. Bei der Einreise nach Norwegen am Flughafen habt ihr dann die Wahl durch den grünen oder den roten Zollbereich zu gehen. Grün ist die richtige Wahl, wenn ihr neu gekaufte Waren einführt deren Gesamtwert unter 6000 NOK liegt. Diese Grenze geht auf 3000 NOK runter, wenn derjenige der einreist sich vor weniger als 24 Stunden in Norwegen aufgehalten hat - was in der Regel bei Verwandten ja nicht zutreffen sollte. Für Alkohol (das beliebteste Mitbringsel für alle die in Norwegen wohnen) gibt es besondere Regelungen, die auf der Website vom norwegischen Zoll auch schön beschrieben sind. Der Zoll am Flughafen in Oslo kontrolliert übrigens wirklich, also Vorsicht. Besonders wenn ihr viele Gepäckstücke dabei habt, seit ihr ein willkommenes Ziel.
Tromsø gilt als einer der besten Orte auf der Welt, an denen man das Nordlicht beobachten kann. Im letzten Jahr hatten wir ein wenig Pech mit dem Beobachten, da wir es oft verpasst haben. Durch Freunde und Kollegen auf Facebook erfährt man meist zu spät, dass ein Nordlicht zu sehen war. Die beste Zeit des Jahres, um das Aurora Borealis in Tromsø und Umgebung zu sehen, ist von November bei März. Es dürfen keine Wolken am Himmel zu sehen sein und die Temperatur muss ein gutes Stück unter dem Gefrierpunkt liegen. Mit etwas Glück und entsprechender Sonnenaktivität ein paar Tage vorher, könnt ihr dann das Polarlicht sehen. Aus eigener Erfahrung ist zwischen 20:00 Uhr und 23:00 Uhr die beste Zeit dafür.
Bisher haben wir nur das grüne Polarlicht hier bei uns gesehen. Dieses wird durch Sauerstoffatome in 100 km Höhe erzeugt. Das rote Licht entsteht durch angeregte Sauerstoffatome in 200 km Höhe. Für blaue und violette Farben werden Stickstoffatome benötigt, die es nur bei sehr starken Sonnenwinden gibt. Natürlich wollt ihr als Tromsø Tourist im Winter unbedingt das Polarlicht sehen. Dafür müsst ihr Folgendes tun. Schaut euch die Aurora Borealis Vorhersage der Universität von Alaska im Internet an. Dort werden Daten über auftretende Sonnenstürme gesammelt und als Nordlicht Vorhersage veröffentlicht, da die Sonnenpartikel 2 bis 4 Tage bis zur Erde brauchen. Auf der angesprochenen Webseite vom Geophysischen Institut in Fairbanks, seht ihr also die Vorhersagen der nächsten 3-4 Tage. Auf der gezeigten Skala von 0 bis 9 braucht ihr mindestens eine 5, um sicher zu sein, dass es Nordlicht Aktivität in Tromsø gibt. Was ihr jetzt noch braucht ist ein wolkenfreier Himmel und die richtige Temperatur. Diese Daten holt ihr euch am besten bei storm.no oder yr.no. Eine hundert prozentige Garantie gibt es natürlich nicht, aber mit diesen Daten habt ihr euer Bestes getan.
Nun braucht ihn nur noch eine gute Stelle zum Beobachten und Fotografieren. Dazu fahrt ihr am Besten ein Stück aus Tromsø raus, denn die Lichter der Stadt erschweren das Beobachten. Meine Lieblingsstelle zum Fotografieren ist auf Kvaløya in der Nähe vom Finnvikvatnet. Das ist ein kleiner Bergsee, der im Winter natürlich dick zugefroren ist. Direkt am See und 50 Meter dahinter bevor es in einen Tunnel geht, habt ihr Parkbuchten bzw. einen Parkplatz der allerdings im Winter nicht geräumt wird. Sollten alle Parkplätze bereits von Nordlicht Jägern belegt sein, fahrt ihr einfach wieder zurück in Richtung Tromsø und stellt das Auto in einer der vielen Parkbuchten ab.
Für gute Fotos braucht ihr in jedem Fall ein Stativ. Es geht nicht ohne. Idealerweise könnt ihr eure Kameraeinstellungen manuell vornehmen. Ich fotografiere immer mit einer Verschlusszeit von 30 Sekunden. Das ist das Maximum meiner Sony Alpha 290 - einer Einsteiger Spiegelreflexkamera. Bei der Blende variiere ich zwischen 2.8 and 5.0. Als ISO Wert nehme ich entweder 400 oder 800, teilweise gibt es ab 800 leider schon einige Körner zu sehen. Ein weiterer Nachteil meiner Kamera, man kann das Bild vor der Aufnahme nicht live auf dem Display sondern nur im Sucher sehen. Das ist normalerweise kein Problem. Allerdings ziehe ich das Stativ nicht so weit aus, denn es ist ein wenig windig an dieser Stelle auf dem Berg und ich will Bilder ohne Verwackeln aufnehmen. Das Stativ ist also nur 50 cm hoch und es ist etwas schwierig in den Sucher zu schauen. Die Aufnahme selbst macht ihr entweder mit einem externen Auslöser, einer Fernbedienung oder mit Selbstauslöser. Auf keinen Fall die Kamera anfassen um das Foto zu machen, da es sonst auch zu stark wackelt.
Die beiden Bilder sind mit meiner Sony Alpha 290 und einem Weitwinkel Objektiv von Tamron (SP AF 17-50mm F/2.8 XR) aufgenommen. Das erste Bild ist 30 Sek., F/2.8, ISO800 und das zweite Bild ist 25 Sek., F/4.5, ISO400. Das zweite Bild ist leider etwas dunkel geworden, allerdings sieht man die Farbe des Polarlichts hier schöner.
Morgen startet bereits zum 22. Mal das internationale Film Festival in Tromsø. Das ist hier immer ein ganz besonderes Highlight. Für knapp eine Woche weht ein Hauch von Großstadt Atmosphäre durch die Stadt. Ein eigenes Filmfestival, davon gibt es nicht viele in Nord-Norwegen. Natürlich kann man das TIFF nicht mit der Berlinale oder Cannes vergleichen. Hauptsächlich werden unbekannte Filme oder Klassiker gezeigt. Hollywood Flicks werden so gut wie gar nicht gezeigt. Einzig den Golden-Globe prämierten Streifen "The Descendants" mit George Clooney findet man im Programm. Der Film wird immerhin eine Woche vor dem offiziellen Kinostart in Norwegen gezeigt. Beide Vorstellungen, während des Tromsø International Film Festivals, sind allerdings bereits ausverkauft.
Im Programm sind viele Filme aus Frankreich, Russland, der arabischen Welt und sogar einige Kurzfilme aus Deutschland. Ein echter Kultfilm aus der DDR ist "Die Söhne der großen Bärin" mit Gojko Mitic - für den es natürlich noch Karten gibt. Der Film wird auf Deutsch mit norwegischen Untertiteln gezeigt - cool! Auch über den arabischen Frühling sind einige Filme im Programm. Bis heute, einen Tag vor Beginn des Festivals, wurden bereits 30.000 Eintrittskarten verkauft. Um einen Film zu sehen benötigt man neben der Eintrittskarte auch noch den Festivalpass. Das war in den letzten Jahren immer ein Armband, welches man tragen muss wenn man einen Film auf dem Filmfestival anschauen will. Dieses Armband kann man zusammen mit einer Programmübersicht vorab für 110,00 NOK kaufen (Studenten zahlen 80,00 NOK). Festivalpässe sind bereits 5.000 Stück verkauft worden. Im Schnitt will also jeder Besucher sechs Filme sehen. Zusammen mit dem Festivalpass, kann man dann Tickets für einzelne Filme auf dem Festival kaufen. In diesem Jahr ist es zum ersten Mal möglich die Eintrittskarten online zu kaufen und einfach nur auszudrucken. Der Eintritt pro Festivalfilm kostet 85,00 NOK, also nur 10,00 NOK weniger als ein normales Kinoticket kostet. Dadurch, dass man sich dieses Armband noch kaufen muss, bezahlt man also etwas mehr als normal. Schätze das ist auf den meisten Filmfestivals so. Allerdings kann man auch Filmpakete kaufen. Im 10-er Pack Eintrittskarten kostet jeder Film nur noch 69,00 NOK, im 20-er Pack dann nur noch 63,50 NOK. Idealerweise kennt man also noch ein paar Freunde, die ebenfalls das Tromsø International Film Festival besuchen wollen, und teilt sich mit denen dann eine 10-er oder 20-er Karte.
Gezeigt werden die Festivalfilme an unterschiedlichen Locations in Tromsø. Im Aurora Kino, im Verdensteatret, im Kulturhuset und teilweise auch im Hålogaland Teater. Ein besonderes Highlight ist das Freilicht-Kino auf dem Hauptmarkt. Dort werden bei Schnee und Eis kostenlose Filme gezeigt, hauptsächlich tagsüber Kinderfilme. Ein Film, den ich mir auf jeden Fall nicht entgehen lassen werde, ist Countryside - ein Snowboarding Film von Cold Up Here Productions mit Snowboardern aus Tromsø.
In Nord-Norwegen zu leben ist sonnen-technisch schon ziemlich extrem. Im Sommer zwei Monate in denen die Sonne nie untergeht. Im Winter zwei Monate in denen sie nicht mehr aufgeht. Die Dunkelperiode ist allerdings weniger schlimm, als ich anfänglich befürchtet hatte. Es ist nicht die ganze Zeit komplett dunkel, wie in tief-schwarzer Nacht. Die Dunkelzeit fängt in Tromsø um den 20. November an. Dann schafft es die Sonne nicht mehr über die südlich, am Straumsfjorden gelegenen Berge auf dem Festland. Das Einzige, was dann noch an die Sonne erinnert, ist ein rötlich-gelbes Licht hinter der Bergsilhouette. Je weiter man in den Dezember hineinkommt, desto weniger "Sonne hinter den Bergen" gibt es. Mitte Dezember fängt es ab 9:30 Uhr an "hell" zu werden. Zwischen 10:00 Uhr und 12:30 Uhr entsprechen die Lichtverhältnisse in etwa denen in Deutschland am selben Tag zwischen 16:00 Uhr und 17:00 Uhr. Es ist also nur dämmerig-hell. Die volle Tageshelligkeit gibt es gar nicht mehr, so lange die Sonne nicht mehr komplett über den Horizont bzw. die Berge kommt.
Ihr könnt also davon ausgehen, dass es zwischen 10:00 Uhr und 13:00 Uhr ein wenig Helligkeit gibt, so dass man von Tageslicht sprechen kann. Keine komplette Dunkelheit also. Für mich gibt es aber ein anderes Problem. Nachdem es spätestens um 14:00 Uhr in Tromsø wieder dunkel geworden ist, stellt sich meine innere Uhr auf Feierabend Laune ein. Es fühlt sich dann im Büro immer so an, als ob es gleich nach Hause geht. Man darf dann aber noch mehrere Stunden bleiben, das nervt. Ich persönlich werde auch früher müde als in den anderen 3 Jahreszeiten. Du lebst quasi von 14:00 Uhr an in Dunkelheit. Kein Wunder das es dir um 20:00 Uhr schon so vorkommt, als ob du schon sehr lange in die Nacht hinein wach bist. Ich gehe auch definitiv früher schlafen als im Sommer. Auch wenn ich gefühlt länger schlafe, kann ich nicht behaupten am nächsten Morgen voll erholt aufzuwachen. Es ist natürlich auch noch dunkel wenn der Wecker klingelt. Es fühlt sich an, als ob man mitten in der Nacht aufsteht. Der natürliche Rhythmus wird hier im Winter schon etwas durcheinander gewirbelt.
Etwas erträglicher ist die Dunkelzeit auf jeden Fall wenn Schnee gefallen ist, wovon man in Tromsø ab November eigentlich ausgehen kann. Der Schnee macht alles heller, winterlicher und schöner. Keine dunklen Straßen, die das verbleibende Licht verschlucken. In ungefähr einer Woche, um den 20. Januar herum, taucht die Sonne dann wieder über den Bergspitzen auf. Ich kann es kaum noch erwarten. In Tromsø gibt es die Tradition das die Bäckereien Mørketidsboller verkaufen, wenn die Sonne nicht mehr aufgeht. Das sind mit Schokolade überzogene Pfannkuchen (Berliner). Die dunkle Schokolade soll wahrscheinlich die kommende Dunkelheit symbolisieren. Am Tag der Sonnenrückkehr, 2012 kann man damit in Tromsø wie gesagt ab dem 20. Januar rechnen, gibt es dann Solboller. Das sind ebenfalls Pfannkuchen (Berliner), diesmal aber ohne dunklen Überzug und mit Eiercreme Füllung - lecker.
Noch ein Filmtipp. Viele von euch kennen sicherlich den amerikanischen Film "Insomnia" mit Al Pacino und Robin Williams, der in Alaska spielt. Was ich bisher nicht wusste, bei diesem Film handelt es sich um ein Remake. Das norwegische Original wurde 1997 in Tromsø gedreht. Unbedingt anschauen. Der Film handelt von der Untersuchung eines Mordes an einem 17-jährigen Mädchen und den Schlafproblemen des Ermittlers wegen der Mitternachtssonne. Jaja, jeder Tromsø Neuling hat hier so seine Probleme mit den Sonnen Verhältnissen.
Wer länger in Norwegen bleiben will und hier arbeitet, der braucht ein norwegisches Konto. Der Arbeitgeber kann zwar das Gehalt in der Regel auch ins Ausland überweisen. Wenn man in Norwegen aber ausschließlich mit deutschem Konto und deutschen Karten hantiert, fallen auf Dauer jedoch zu viele Gebühren an. Für die Kontoeröffnung benötigt man einen Reisepass, den Registrierungsnachweis der norwegischen Polizei und die Fødselsnummer. Die Fødselsnummer entspricht der schwedischen Personnummer. Da man diese Nummer nur auf Antrag vom Finanzamt zugeteilt kriegt und die Bearbeitungszeit mehrere Wochen bis Monate betragen kann, ist es mehr als wahrscheinlich, dass man zum ersten Zahltag noch kein norwegisches Konto besitzt. Normalerweise kann der Arbeitgeber nun das erste Gehalt entweder auf ein deutsches Konto auszahlen oder das Gehalt zunächst für den Arbeitnehmer einbehalten (Adecco).
Ich hatte meine Fødselsnummer nach ungefähr 6 Wochen erhalten und bin noch am selben Tag zu Nordea gegangen um dort ein Konto zu eröffnen. Ich hatte bereits in Schweden ein Konto bei Nordea und war damit sehr zufrieden. Verglichen mit unserem Start in Schweden muss ich sagen, dass die Kontoeröffnung in Norwegen einfacher war. Es war von Anfang an klar, welche Unterlagen benötigt werden. Ende 2007 war die Kontoeröffnung in Schweden noch eine Grauzone. Ich wurde damals in Stockholm von Swedbank abgewiesen, die für mich kein Konto eröffnen wollten. Einige andere Leute die ich kenne, hatten auch Probleme ein schwedisches Konto zu bekommen.
Leider wurde mir auf den zweiten Blick klar, dass das Nordea Konto in Norwegen alles andere als gut ist. Für fast alles werden Gebühren verlangt, sogar beim Bezahlen mit der Bankkarte im Laden. Der Freude über das neue Konto folgte also sehr schnell die Enttäuschung. Eine kleine Umfrage im Büro ergab jedoch, dass viele Kollegen bei Skandiabanken ein Konto haben. Das ist eine reine Direktbank ohne Filialen, dafür mit besseren Konditionen. Dort habe ich im Moment mein norwegisches Konto. Das Nordea Konto habe ich wieder dicht gemacht. Bei Skandiabanken kann man nach dem Einloggen mit einem Mitarbeiter chatten, sogar in Englisch. Das ist bei Rückfragen sehr praktisch, z.B. wenn einem als Neu-Norweger der Kreditkartenantrag abgelehnt wird. Blöderweise musste ich mich selbst darum kümmern, dass meine Daten bei dem norwegischen Schufa Äquivalent Lindorff hinterlegt werden. Ich glaube die gleichen ihre Stammdaten nur aller paar Monate mit dem Einwohnerregister ab. Wenn man eine druckfrische Fødselsnummer bekommen hat und damit sofort Konto eröffnet, Kreditkarte beantragt etc. dann kann es vorkommen das Lindorff die Daten noch nicht im System hat. Man muss dann aber nur dort anrufen, dann holen die sich die Daten manuell.
Die Kontoführung funktioniert in Norwegen eigentlich genau so wie in Schweden. Es gibt eFaktura, also Rechnungen die man nicht mehr per Post nach Hause sondern nur noch per Email in seinen Bank Account kriegt. Das ist super praktisch, da man den ganzen Papierkram dann nicht mehr weg heften muss. Außerdem spart man sich die Rechnungsgebühr. Fast alle norwegischen Firmen bieten inzwischen Bezahlung via eFaktura an. Ich bezahle damit Strom (Troms Kraft, Gudbrandsdal Energi), Fernsehen (Viasat), Versicherungen (Gjensidige) und Internetzugang (Telenor). Der Rechnungsbetrag wird übrigens nicht direkt abgebucht. Es taucht lediglich die digitale Rechnung im Posteingang auf. Bei Skandiabanken bekommt man für jede neue eFaktura eine Email.
Die nächste Stufe der Bequemlichkeit nennt sich AvtaleGiro (in Schweden AutoGiro). Hier werden Rechnungsbeträge einfach abgebucht. Dafür ist dann allerdings auch eine eigenhändige Unterschrift des Kunden nötig. Anders als bei eFaktura, muss der Rechnungssteller eine unterschriebene Befugnis für AvtaleGiro besitzen. Wir machen das für SATS (Fitness-Studio) sowie eine Versicherung bei Gjensidige.
Ansonsten gibt es natürlich auch den ganzen anderen Kram. Überweisungen und Bezahlen von Rechnungen die mit der Post kommen, läuft bei Skandiabanken alles unter Regningsbetaling. Daueraufträge laufen unter Faste Overføringer. Eine kleine Besonderheit, im Vergleich zu Schweden, ist das Einloggen. Skandiabanken nutzt, wie viele norwegische Behörden, SMS zum Einloggen im Internet. Man gibt zunächst seine Fødselsnummer und ein persönliches Passwort an. Anschließend erhält man eine SMS auf sein Handy. Die SMS beinhaltet einen einmaligen Code, den man dann in der Webseite eingeben muss. Dieses Verfahren wird allerdings nicht von allen Banken genutzt. Die Nordea Bank in Norwegen verwendet stattdessen, genau wie in Schweden, einen kleinen Apparat zum Erzeugen von einmaligen Codes. Ich persönlich finde SMS praktischer.
Genau wie in Schweden, gibt es auch in Norwegen keine separate Bankleitzahl wie in Deutschland. Die ersten vier Ziffern der norwegischen Kontonummer identifizieren die Bank und die Filiale. Danach folgen 6 Ziffern die das Konto des Kunden identifizieren. Am Ende steht eine einstellige Prüfziffer. Bei den sogenannten Bankkarten von Visa oder Master ist die Kontonummer des zugehörigen Kontos meistens direkt auf die Karte gedruckt.
Gestern Abend konnte ich ein echt arktisches Weihnachtsgeschenk von Nadine einlösen - eine Tour auf dem Hundeschlitten im Tromsø Villmarkssenter. Die vierstündige Tour kann direkt über die Webseite gebucht werden. Die Bezahlung erfolgt vor Ort, entweder bar oder mit Kreditkarte. Die Hundeschlittentour wird dreimal täglich, normalerweise im Zeitraum von Anfang November bis Ende April angeboten. Dieses Jahr hat der Winter in Tromsø allerdings erst ungewöhnlich spät eingesetzt, so dass die ersten Touren erst seit kurzem angeboten werden.
Unsere Tour startete um 18:30 Uhr vor dem Scandic Hotel Tromsø. Wir wurden von einem Kleinbus abgeholt und waren zunächst die einzigen Passagiere. Das Wetter war ziemlich mies. Es lag zwar noch überall Schnee, aber Regen hatte im Laufe des Tages eingesetzt. Der Schnee wurde ziemlich hart und verwandelte sich langsam aber sicher in Eis. Ich hatte schon Befürchtungen, dass die Tour mit dem Hundeschlitten wegen des Wetters ausfallen würde. Der Fahrer versicherte mir aber, dass wir nicht die einzigen Teilnehmer seinen und noch ein kompletter Reisebus von Radisson Blu Hotel zum Villmarkssenter unterwegs sei.
Die Fahrt von Tromsø zum Villmarkssenter dauert ungefähr 25 Minuten. Der ankündigte Reisebus und mit zirka 30 weiteren Teilnehmern war bereits vor Ort. Fast alle anderen waren Touristen. Asiaten und Engländer waren am stärksten vertreten. Nach der Bezahlung bekamen wir einen wind- und wasserfesten Overall und Stiefel ausgehändigt. Den Anzug zieht man einfach über sein normales Outfit (ohne Jacke) drüber. Das Teil ist wirklich super geschützt und hält gut warm. Leider hatte ich meine Handschuhe vergessen, was im Winter ziemlich dumm ist. Draußen blies ein böiger Wind und ein heftiger Schneeregen kam vom Himmel runter. Wirklich nicht die tollsten Bedingungen für eine Fahrt mit dem Hundeschlitten. Schlimmer waren jedoch die Touristen dran, die sich für eine Übernachtung und zur Beobachtung des Polarlichts angemeldet hatten. Bei Wetterverhältnissen wie gestern, stehen die Chancen das Aurora Borealis zu sehen gleich null.
Den gut 300 Hunden schien das Wetter relativ wenig auszumachen. 7 oder 8 Schlitten waren zur Abfahrt fertig mit jeweils 8 Hunden bespannt worden. Die restlichen Hunde warteten entweder in, außerhalb oder auf ihrer Hundehütte und jaulten mit dem Wind. Wegen der schlechten Wetterbedingungen wurden maximal 2 oder 3 Personen in einen Schlitten gesetzt. An normalen Tagen mit gutem Schnee sind weitere Mitfahrer kein Problem. Dann werden die Schlitten auch mit 12 oder mehr Hunden bespannt. Kurz vor den Aufbruch sind die Schlittenhunde immer extrem aufgeregt und bellen die ganze Zeit. Im Tromsø Villmarkssenter werden die Schlitten nicht von sibirischen Huskies, sondern von Alaskan Huskies gezogen. Das ist keine besondere Rasse, sondern eine Hundeart, die speziell als Schlittenhund aufgezogen wird. Diese Hunde sind kräftig gebaut und brauchen besonders viel Bewegung.
Da wir zu viele Teilnehmer für zu wenig Schlitten waren, wurde unsere Gruppe geteilt. Wir waren in der zweiten Schlittengruppe. Für uns gab es zunächst etwas traditionelles aus der Sami Küche zu essen. Das Essen wurde in einem großen, stabilen Sami Zelt (nicht das Lavvu sondern das andere Zelt - Name vergessen) gereicht. Es gab eine Suppe mit Brot und danach Rentier Fleisch mit Gemüse - beides sehr lecker.
Nach zirka einer Stunde kamen die Hundeschlitten der ersten Gruppe zurück und es fand ein fliegender Wechsel statt. Wir kamen in den vordersten Schlitten, der die Gruppe anführte. Die Hundeführer hatten alle eine Kopflampe. Es war zwar nicht komplett dunkel, aber ohne Stirnlampe konnte man den Weg nicht wirklich gut erkennen. Unser Schlittenführer hieß Tore, kam aus Tromsø und war seit 30 Jahren im Geschäft. Auf meine Frage, ob er selbst auch Hunde zuhause hätte, bekam ich zur Antwort, dass dies alle seine Hunde seien und er und seine Frau das Tromsø Villmarkssenter aufgebaut hätten. Fettnäpfchen - naja konnte ja keiner wissen. Die Fahrt war abenteuerlich. Der Schnee war entweder komplett mit Wasser aufgesogen oder bereits weggetaut. Teilweise schien es so, als würden wir bereits auf Gras und Sand fahren. Eine besonders fordernde Anstrengung für Hund und Material.
Die Tour ging direkt vom Villmarkssenter bergauf in Richtung Mitte der Insel Kvaløya. Von dort hat man einen herrlichen Blick hinunter nach Tromsø. Ein wundervoller Platz um bei guten Bedingungen das Nordlicht zu sehen. Unser Führer Tore war sehr erfahren im Umgang mit dem Hundeschlitten. Er hat bereits mehrere Mal am Hundeschlittenrennen durch Alaska teilgenommen, sogar mit einigen Hunden von unserem Schlitten. Einige Teilnehmer der Gruppe hatten sich dafür entschieden selbst einen Schlitten zu lenken, was mehr oder weniger gut ging. Auf halber Strecke kippte einer der Hundeschlitten zur Seite und das Hundegespann fing an uns zu überholen. Nur mit einem kühnen Hechtsprung konnte Tore den Schlitten greifen und festhalten und so die durchgehenden Hunde stoppen.
Nach ungefähr einer Stunde waren wir wieder am Ausgangsort. Es gab noch Tee und Kuchen bevor es mit dem Minibus wieder nach Tromsø zurück ging. Für mich war die Hundeschlittenfahrt ein sehr besonderes Erlebnis. Da das Wetter sehr schlecht war, werden wir wohl im März oder April noch einmal wiederkommen. Dann gibt es mit Sicherheit etwas mehr Schnee und die Tage sind dann auch wieder etwas länger.





