Also wenn ihr zwischen dem 1. Mai und dem 17. Mai in Norwegen unterwegs seit und auf eine Gruppe von Jugendlichen mit komischen Hosen und Wasserpistolen trefft, das hat alles so seine Ordnung. Auf diese Art und Weise wird hier nämlich der Schulabschluss zelebriert. Das Ganze nennt sich "Russ" und alle Schüler, welche die weiterführende Schule verlassen, nehmen daran teil. Etwas ähnliches gibt es auch in Schweden, allerdings weniger aufwändig. Die schwedischen Schulabgänger mieten sich Anfang Mai einen LKW mit offener Ladefläche, setzen sich Matrosenmützen auf und fahren mit lauter Musik und Trillerpfeifen durch die Stadt. Loveparade lässt grüßen.
Aber zurück zum Russ oder Russ 2011 wie er in diesem Jahr heißt. Zunächst das Outfit. Ein definitives Muss, sind die lässig, locker hängenden Hosen mit Trägern (Russebukse). Die Hosen gibt es in verschiedenen Farben und die Träger werden in der Regel einfach rechts und links hängen gelassen. Auf die Hosen ist die norwegische Flagge aufgenäht und der Schriftzug Russ 2011 ist sichtbar. Nicht selten wird gegenseitig mit einem Permanent Marker auf der Hose unterschrieben.
Es gibt 2 Shops im Internet, die ausschließlich die Russebuksene und andere Klamotten zum Russ verkaufen. Natürlich ist es erlaubt seine Hose noch selbst zu pimpen.
Die Farbe der Hose gibt darüber Auskunft, von welcher Fachrichtung die besuchte Schule war. Ähnlich wie in Schweden, müssen sich die norwegischen Schüler nach der 9. Klasse für eine weiterführende Schule einer bestimmten Fachrichtung entscheiden. In Schweden nennt sich das Gymnasium, in Norwegen wird dieser Begriff nicht mehr verwendet (laut meiner Lehrerin im Norwegisch-Kurs). Die Dauer der weiterführenden Schule ist unterschiedlich. Für normale Berufsausbildung, wie Auto Mechaniker oder Koch, dauert die weiterführende Schule 2 Jahre. Zu erkennen an den schwarzen Hosen. Diese Fachrichtung berechtigt nicht zum Besuch einer Universität. Die weißen Hosen werden von Schülern getragen, die eine sportliche Richtung eingeschlagen haben. Rote Hose für generelle Hochschulreife in Kommunikation, Musik oder Naturwissenschaften. Blaue Hose wenn man weiter in Richtung Ökonomie studieren will. Wie man sich vorstellen kann, gibt es zwischen den verschiedenen Fachrichtungen einen Konkurrenzkampf, der nicht selten in Streitigkeiten auf der Straße ausartet. Durch die verschiedenen Farben ist es ja auch relativ leicht zu erkennen, welche Schule bzw. Fachrichtung ein Schüler besucht.
Der Russ endet jedes Jahr am 17. Mai, dem Nationalfeiertag Norwegens. Dieser Tag wird traditionell mit Paraden, Umzügen, Volksfesten, Ständen, Essen usw. gefeiert. Ich glaube der 17. Mai ist der einzige Tag, an dem die meisten Norweger einen Anzug tragen. In Norwegen, oder zumindest in Tromsø, interessiert sich sonst eigentlich niemand wirklich für sein Aussehen, ob man Markenklamotten trägt oder mit Anzug zur Arbeit kommt - völlig egal. Am 17. Mai ist das komplett anders. Jedenfalls wird von den Schulabgängern auch eine Russ Parade zum Nationalfeiertag organisiert. Dieser Umzug heißt Russetoget und findet in Tromsø in diesem Jahr um 14:30 Uhr statt. Der Russetoget ist der vierte von fünf Umzügen an diesem Tag in Tromsø. Es gibt noch einen Umzug für Kinder, jüngere Schüler, normale Bürger etc. Für den Russetoget werden von den verschiedenen „Farb-Fraktionen“ eigene Fahrzeuge gebaut, die so genannten Russebiler. Mit diesen nimmt man dann am Umzug teil.
In der Zeit zwischen dem 1. Mai und dem 17. Mai lassen die Schulabgänger die Sau raus, denn es gibt noch eine weitere Tradition: die Russeknuter (Streiche). Unter Russeknuter darf man sich eine Liste mit Aufgaben oder Streichen vorstellen, die jeder Abgänger erledigen kann. Für jede erfüllte Aufgabe gibt es eine Nachweis, z.B. etwas zum in die Haare machen oder einen Aufnäher. Die komplette Liste der Russeknuter umfasst weit mehr als 100 Aufgaben, eine schwachsinniger als die andere. Einige Beispiele. Esse eine Dose Katzenfutter in 5 Minuten. Trink einen Kasten Bier 0,33l in 12 Stunden. Steck dir 2 Tampons in die Backen und trink ein Bier. Geh am Telegrafbukta Strand in Tromsø baden. Sitze eine Schulstunde lang unter deinem Schreibtisch. Höhle zwei Brote aus und benutze sie einen Tag lang als Schuhe. Schlafe 3 Tage lang nicht. Bringe einen Arzt dazu, dich als Junge für eine Frauenkrankheit krank zu schreiben. Küsse einen Lehrer. usw.
Vor dem Nationalfeiertag, am 16. Mai, wird noch mal ordentlich getrunken und gefeiert. In Tromsø traditionell am Bukta Strand (Telegrafbukta). Diesen Ort sollte man an diesem Tag als Tourist oder Einwohner meiden :)
Hier in Nord Norwegen gibt es eine nicht nur viel Geschichte aus dem 2. Weltkrieg zum anfassen, sondern auch eine ganze Menge militärische Anlagen aus der Neuzeit. Neulich auf Arbeit, kamen wir beim Gespräch über die besten Strände in der Gegend, auf einen Strand zirka 15 km südlich von Tromsø, der sich Sandvika nennt. Sehr toller Sandstrand im Übrigen. Jedenfalls meinte mein Chef, der als Kind in Ramfjord aufgewachsen ist und dort oft baden war, dass man mit etwas Glück dort U-Boote sehen könne. Nach einer kurzen Schweigepause und Fragezeichen über dem Kopf gab es dann die Erklärung.
Südöstlich vom Strand, zirka 600 m entfernt, befindet sich eine unterirdische, geheime U-Boot Marinebasis mit Trockendock. Okay, inzwischen ist sie vielleicht nicht mehr ganz so geheim. Auf der Karte bei Google Maps jedenfalls, könnt ihr schön diesen Felsen bei Olavsvern sehen. Der komplette Felsen ist ausgehöhlt wie ein Schweizer Käse. Die Basis muss riesig sein, mehrere hundert Meter lang. Keine Ahnung wie viele Docks nebeneinander. Die Einfahrt zur Basis für die U-Boote, befindet sich übrigens unter Wasser und ist von außen nicht sichtbar. Jedenfalls wird Olavsvern seit 2009 nicht mehr militärisch genutzt und steht zum Verkauf. Wenn ihr 105.000.000 NOK übrig habt, gehört dieses Schmuckstück euch. Das sind in etwas 13,5 Millionen Euro, aber hey - wer kann schon einen U-Boot Stützpunkt sein Eigen nennen. Eine komplette Objektbeschreibung (leider in Norwegisch) könnt ihr euch hier anschauen.
Olavsvern wurde von der NATO bis 2009 genutzt und hatte einige prominente Besucher, z.B. die Miami SSN-755. Ein amerikanisches U-Boot der Los Angeles Klasse, quasi genau so wie ihr es aus Jagd auf Roter Oktober kennt. Ich denke das es dieses U-Boot ist und es kein anderes U-Boot gibt, dass Miami heißt. Ich werde in den nächsten Wochen mal nach Olavsvern fahren und schauen wie weit man auf das Gelände kommt. Schade das man die Basis nicht besichtigen kann. In Deutschland wäre Olavsvern, solange sich kein neuer Eigentümer findet, bestimmt schon zum Museum mit Eintritt und Führungen verwandelt worden.
Kennt ihr diese dumme Geschichte vom “Wattfritze”, die man Kindern erzählt, wenn sie überall Licht anlassen und keinen Strom sparen? Etwas vergleichbares scheint es in Norwegen nicht zu geben, denn hier wird Strom verbraucht das einem die Haare zu Berge stehen (wenn ich welche hätte). Hauptsächlich liegt das sicherlich daran, dass es üblich ist elektrisch zu heizen. Zumindest in Tromsø haben die meisten Häuser und Wohnungen keine Heizung mit Fernwärme. Das sollte man unbedingt wissen, wenn man etwas zur Miete in Norwegen sucht. Der Strom ist üblicherweise nicht in der Miete enthalten. Andere Nebenkosten außer Strom muss der Mieter aber selten bezahlen. Diese Situation würde mich in Deutschland oder Schweden aufjubeln lassen, wo ich maximal 50 Euro für Strom im Monat bezahlt habe. In Norwegen ist Strom allerdings ein großer Posten in der Haushaltskasse.
Das elektrische Heizen ist mir in meinem ersten Monat in Tromsø gleich auf die Füße gefallen. Ich hatte keine Ahnung welche Energiefresser diese Ölradiatoren sind und sie ständig laufen. Ist ja schließlich kalt draußen im März. Meine erste Rechnung von Troms Kraft belief sich auf 833 kWh für 65 Tage in einer 65qm Wohnung, uff. Kostenpunkt 981,00 NOK. Allerdings habe ich mich noch nicht um einen günstigeren Stromanbieter gekümmert, da ich in 3 Wochen eh noch einmal umziehe in Tromsø. Zum Vergleich, wir hatten in Schweden in einem Reihenhaus mit 98qm und 2 Personen im gleichen Zeitraum lediglich 300 kWh. Fast dreimal so viel Strom verbraucht, echt bedenklich. Kostenmäßig macht es allerdings keinen Unterschied, da Strom in Norwegen echt billig ist. 300 kWh von Vattenfall in Schweden hätte mich ziemlich exakt genau so viel gekostet.
Um das schlechte Gewissen etwas zu beruhigen, sollte man wissen das Norwegen zur Stromerzeugung fast ausschließlich auf erneuerbare Energien setzt. 96 Prozent der Elektrizitätsproduktion basiert auf Wasserkraft. Damit ist Norwegen der größte Anwender von Wasserkraft weltweit. 2009 wurden 127,1 Milliarden kWh in 1250 Wasserkraftwerken produziert. Das Wasserkraft Potential liegt sogar bei 205 Milliarden kWh (Twh). Es ist trotzdem nicht sicher, dass ich hier in meiner Wohnung erneuerbare Energie verbrauche. Norwegen verkauft den grünen Strom nämlich an andere Länder in Europa und kauft teilweise den billigeren Atomstrom vom Nachbarn Schweden. Es ist aber möglich beim Stromanbieter anzugeben, dass man ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien beziehen will.
Mein lokaler Anbieter Troms Kraft schickt regelmäßig eine Kundenzeitschrift raus, die Vårenergie heißt. Dort wurde in der letzten Ausgabe ein 33-jähriger Kunde vorgestellt, der mit seiner Familie in einem Einfamilienhaus in Tromsø wohnt. Er hat einen Jahresverbrauch von 20.000 bis 30.000 kWh. Ich finde das wahnsinnig viel. Keine Ahnung ob das normal ist, ich hatte noch nie ein Einfamilienhaus. Rechnet man den Verbrauch von unserem schwedischen Reihenhaus auf das Jahr hoch, kommen wir auf 3.600 kWh. Schon deutlich weniger. Da wir jetzt wieder in ein Reihenhaus ziehen zur Miete, bin ich auf der Suche nach sparsamen Alternativen zum Heizen, denn auch im neuen Haus sind Ölradiatoren die einzige Möglichkeit zum Heizen.
Inzwischen habe ich mich ganz gut in Norwegen eingelebt. Seit 5 Wochen wohne ich nun in Tromsø. Eine Fødselsnummer und eine Steuerkarte habe ich leider immer noch nicht erhalten. Die angekündigte Bearbeitungszeit von 5 bis 6 Wochen stimmt also. Erwartungsgemäß wurden mir von meinem ersten Gehalt 50% Steuern abgezogen. Ich drücke jetzt ganz doll die Daumen, dass ich die Steuerkarte in den nächsten Tagen bekomme, so dass mir nicht noch einmal fünfzig Prozent abgezogen werden.
Die Steuerkarte muss dem Arbeitgeber übrigens im Original vorliegen. Da ich zwar bei Electronic Arts AS in Oslo angestellt bin, unser Lohnbüro aber in Stockholm ist, muss ich die norwegische Steuerkarte also auch noch nach Schweden schicken. Hoffentlich kriege ich das alles noch vor dem 25. des Monats hin. Das es das Gehalt immer am 25. gibt, scheint in Norwegen genau wie in Schweden Standard zu sein. Falls der 25. auf ein Wochenende oder einen Feiertag fällt, ist das Gehalt sogar früher auf dem Konto. Rechnungen werden sicher in der Regel zwischen dem 25. und dem Ende des Monats fällig, so dass einem genug Zeit bleibt diese vom aktuellen Gehalt zu bezahlen. Diese Vermutung stützt sich allerdings nur auf meine Beobachtungen aus Schweden. In Norwegen habe ich bisher keine Rechnungen erhalten. Ich denke aber, dass es hier ähnlich sein wird.
Ausgezahlt wurde mein Gehalt übrigens auf mein Konto in Schweden. Dafür musste ich die IBAN Nummer und den Swift/BIC Code besorgen. Ich hatte nach meiner Ankunft in Tromsø versucht ein Konto bei Nordea zu eröffnen, allerdings fehlte mir dafür die besagte Fødselsnummer. Da ich in Schweden Vorzugskunde bei Nordea bin (alle Kredite, Konten, Versicherung, Kreditkarten laufen über diese Bank), hatte ich gehofft, dass es trotzdem irgendwie möglich wäre bei Nordea ein norwegisches Konto zu eröffnen. Die beiden Länder arbeiten aber offensichtlich nicht zusammen. Benötigt werden zur Kontoeröffnung die Fødselsnummer, die Anmeldebescheinigung von der Polizei und der Pass. Nordea wurde übrigens in einer Umfrage zur besten Bank 2010 in Norwegen gekürt. 123 Banken wurden verglichen. In Tromsø gibt es eine Filiale direkt im Zentrum in der Nähe der Bibliothek.
Im zweiten Anlauf hat es nun auch endlich mit meiner Registrierung bei der Polizei geklappt. In Tromsø war es deutlich leerer als in Oslo. Wir mussten nur zirka 45 Minuten warten und bekamen problemlos unsere Registrierungsbestätigung (Registreringsbevis for EØS-Borgare) ausgehändigt. Ich musste meinen Arbeitsvertrag vorzeigen. Es wurde zwar etwas rumgemäkelt, da mein Arbeitgeber ohne Stempel unterschrieben hatte, die Sachbearbeiterin drückte aber ein Auge zu. Nadine musste nur unsere schwedische Heiratsurkunde (Vigselbevis) vorzeigen.
Als neu-registrierte Zuzügler eingetragen, ging es rüber zum Finanzamt Tromsø - dem Skatte Nord. Auch hier waren nicht so viele Leute. 15 Minuten Wartezeit. Unter den ganzen ausgelegten Formularen, fand ich nur eins sinnvoll, das RF1401B "Melding om flytting fra utlandet". Damit kann man sich als beim Einwohnermeldeamt anmelden, wenn man aus dem Ausland nach Norwegen zieht, und erhält eine Personen-Nummer (Fødselsnummer) und eine Steuerkarte (Skattekort). Auf einem Formular können alle Familienmitglieder mit eingetragen und angemeldet werden. Der Sachbearbeiter wollte noch unsere Pässe, den Registreringsbevis und meinen Arbeitsvertrag sehen. Von allen Dokumenten machte er sich Kopien. Schock! Bearbeitungszeit bis zu 6 Wochen. So ein Mist. Genau das wollte ich vermeiden und mich rechtzeitig in Oslo anmelden. Hat man die Steuerkarte nämlich noch nicht, wenn es das erste Gehalt gibt, muss der Arbeitgeber erstmal pauschal 50% vom Geld als Pauschalsteuer einbehalten. Das Geld kriegt man zwar mit der Jahressteuererklärung erstattet, dass nutzt mir im Moment aber herzlich wenig. In Norwegen ist jede Krone mehr wichtig, zumindest für mich. Komischerweise wurden von mir auch zur Steuerkarte auch keine Angaben zu Jahreseinkommen, Einkommen des Ehepartners etc. abgefragt. Ich bin gespannt, in welche Steuerklasse man mich nun steckt. Im Norwegen Forum von Trolljenta wurde ich aber noch darauf hingewiesen, dass es zum Beantragen der Steuerkarte noch ein zusätzliches Formular gibt, das diese Daten abfragt (RF-1209BE Søknad om skattekort for utenlandske borgere).
Die nächsten zwei Stunden war ich etwas frustriert. Ich hatte versucht mich rechtzeitig zu registrieren und die Anmeldung meiner Steuerkarte einen Monat vor Arbeitsbeginn auf den Weg zu bringen. Das wurde mir in Oslo von den Behörden kaputt gemacht. Nun ist die Situation eingetreten, die ich eigentlich vermeiden wollte. Ich habe keine Steuerkarte wenn es das erste Geld gibt. Mehr als das, ich habe auch kein norwegisches Konto. Nordea eröffnet nämlich nur ein Konto, wenn der Antragsteller eine Fødselsnummer oder D-Nummer hat. Normalerweise geht es wohl auch, das Gehalt via IBAN auf ein Konto im Ausland zu überweisen. In meiner Firma scheint das aber nicht so trivial zu sein, keine Ahnung warum. Ich hoffe das Problem löst sich firmenintern noch irgendwie, ansonsten frage ich nach einem Gehalts-Scheck :)
Erstes Zwischenfazit. Es war wesentlich einfacher nach Schweden auszuwandern, als nach Norwegen. Viele Sachen für Schweden, lassen sich schon vorher über das Internet erledigen. Man muss sich beispielsweise nicht persönlich bei der Polizei registrieren, sondern lädt einfach beim Migrationsverket den Antrag, Kopie vom Pass und Arbeitsvertrag online hoch. Lediglich zum Beantragen seiner Personen-Nummer muss man persönlich erscheinen. Da kann man aber schon lange vorher machen, so dass man nicht unter Zeitdruck kommt. In Schweden gibt es auch keine Steuerkarte auf Papier mehr, die selbst in Deutschland ein Relikt der Vergangenheit geworden ist. In dieser Hinsicht, eindeutig Punkt für Schweden.
Seit drei Tagen wohne ich nun in Tromsø. Da ich zunächst alleine hier oben bin, haben wir nur einen „Mini-Umzug“ gemacht. Drei große Koffer, zwei Rücksäcke und ein Snowboard im Zug von Stockholm nach Narvik. Von dort mit dem Mietwagen nach Tromsø. So war der Plan zumindest. SJ, die schwedische Eisenbahngesellschaft, hat unsere Pläne allerdings ein wenig durcheinander gewürfelt. Der Nachtzug aus Stockholm hatte nach dem Aufstehen bereits 2 Stunden Verspätung, da der Zug nicht so schnell wie geplant fahren konnte. Weitere anderthalb Stunden Verspätung kamen am Bahnhof Murjek dazu, wo der Zug wegen einer abgerissenen Oberleitung lange nicht weiterfahren konnte. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, fuhr der Zug nur bis nach Kiruna, da er wegen der Verspätung in Narvik nicht mehr gewendet werden konnte. Ich denke das hängt mit der Dunkelheit zusammen. Normalerweise fährt der Zug am Bahnhof Narvik ein, rollt dann wieder weg und kommt nach einer halben Stunde umgedreht zurück in den Bahnhof, um die Reisenden in Richtung Schweden an Bord zu nehmen.
Die Busfahrt von Kiruna nach Narvik dauerte überraschenderweise nur zweieinhalb Stunden. Ich hatte vom Zug aus bei Hertz angerufen, da deren Büro in Narvik nur bis 16 Uhr geöffnet ist und wir wegen 4-stündiger Verspätung erst 17 Uhr in Narvik waren. Der Hertz Mitarbeiter war super locker. Ich sollte ihn einfach anrufen, wenn wir am Bahnhof ankommen, er bringt mir den Mietwagen hin. Echter cooler norwegischer Service! Eine Frau aus Boden in Schweden sprach uns am Bahnhof Narvik an, während wir auf das Auto warteten. Zufällig wollte sie auch nach Tromsø. Allerdings konnten wir sie wegen des vielen Gepäcks leider nicht mitnehmen. Da es schon spät war, beschlossen wir alle eine Nacht in Narvik zu übernachten. Das Breidblikk Gjestehus ist sehr zu empfehlen, auch wenn es etwas hellhörig ist. Dafür wird man mit einem schönen Ausblick über die Stadt entschädigt. Das Doppelzimmer war mit 1.100 NOK nicht ganz billig, aber was ist schon billig in Norwegen. Ich brachte zuerst Nadine und unser Gepäck ins Gästehaus und holte anschließend unsere neue Reisebekanntschaft vom Bahnhof nach. Hoch im Norden hilft man sich halt.
Am nächsten Morgen ging es mit dem Mietwagen weiter nach Tromsø. Ich kann euch sagen, diese Route ist der Hammer! So eine fantastische Landschaft muss man selbst gesehen haben. Die Fahrt von Narvik nach Tromsø dauerte rund dreieinhalb Stunden. Wir checkten im Scandic Hotel in der Nähe vom Flughafen ein. Leider kann ich das Hotel nicht weiterempfehlen. Es ist ziemlich abgewohnt und roch muffig im Zimmer. Das Breidblikk Gjestehus war deutlich besser. Am nächsten Morgen um 9:00 Uhr erhielt ich den Schlüssel zu meiner neuen Wohnung. Die Übergabe ging schnell und problemlos über die Bühne. Schreck, es gibt gar keine richtigen Heizungen in allen Räumen. Stattdessen kann man nach Bedarf einen mobilen Heizkörper, auch Ölradiator genannt, an die Steckdose anstecken. Ob das in Norwegen so üblich ist? Immerhin ist das Haus von 1991, also noch nicht so alt. Wie in Schweden, gibt es auch hier Gemeinschaftsarbeit in der Wohngemeinschaft. Falls es Donnerstags schneit, bin ich mit Schneeschippen dran. Die Stunden werden dann an einem öffentlichen Brett aufgeschrieben. Jede Stunde ist 150 NOK wert. Einmal im Jahr werden alle Stunden zusammengerechnet. Wer am meisten gearbeitet hat, bekommt Geld erstattet. Wer wenig oder gar nichts beigesteuert hat, muss nach zahlen. Es gibt im Haus auch einen Gemeinschaftsraum, wo man zusammen Fernsehen (Fußball) schauen kann.
Ich bin erstmal begeistert von Tromsø. Die Stadt ist ziemlich voll. Das hatte ich bei meinem ersten Besuch anders in Erinnerung. Es gibt viele Autos und es sind viele Menschen unterwegs. Morgens kann man schon mal im Stau stehen. Wer denkt, das Tromsø am Arsch der Welt ist und hier niemand lebt, wird überrascht sein.
Eigentlich ist es ja relativ uncool, im ersten Blog Eintrag gleich über die norwegischen Behörden herzuziehen, aber mein Tag in Oslo gestern war leider nicht besonders erfreulich. Aber von vorne.
Ich werde am 1. März 2011 eine Stelle in Tromsø antreten. Zur Zeit arbeite ich in Stockholm. Deutschland haben wir vor 3 Jahren verlassen. Die ersten Schritte für jeden Neuankömmling in Norwegen, sind die EEA-Registrierung bei der Polizei und das Beantragen der Steuerkarte. Um die ganze Sache rechtzeitig anzugehen, habe ich mich bereits im Januar auf der Service Webseite der UDI registriert. Um den Antrag abzuschliessen, muss man persönlich bei der Polizei seinen Pass und seinen Arbeitsvertrag vorzeigen. Ich habe die UDI angeschrieben, ob man dafür zu jeder Polizeistation in Oslo gehen kann. Die Antwort kam innerhalb eines Tages per Email. Wenn man direkt zur Polizei gehen will, ist das nur im Heimatort in Norwegen möglich. Für mich wäre das also in Tromsø. Um mich in Oslo registrieren zu lassen, soll ich zum Service Centre for Foreign Workers gehen.
Gesagt getan. Ich nahm am 31. Januar einen Tag Urlaub und buchte einen Flug von Stockholm nach Oslo. Das Service Centre liegt direkt neben dem Bussterminal in Oslo, dort wo der Flugbus ankommt, in der Schweigaards Gate 17. Ich kam um 11:05 Uhr im Service Centre an und zog eine Nummer für die Warteliste. Die erste Ernüchterung. Ich hatte Nummer H092 und genau 58 Leute vor mir. Nach 10 Minuten Beobachtung der Lage wurde mir klar, dass es mehrere Stunden dauern würde. Ich machte mich also auf, die Stadt ein wenig zu erkunden und schaute jede Stunde im Skatt Øst
Gebäude vorbei. In der ersten Stunde wurden 17 Leute abgearbeitet. In der zweiten Stunde auch wieder 17. Überraschenderweise ging es in der dritten Stunde deutlich schneller. Ich denke das hängt damit zusammen, dass viele Leute eine Nummer ziehen, dann aber doch nicht so lange warten wollen. Die Nummern, für die niemand mehr erscheint, werden dann einfach übersprungen. Nach rund 3 Stunden Wartezeit war ich an der Reihe.
Die Sachbearbeiterin war ausländischer Herkunft und konnte gut Englisch sprechen. Mir wurde mitgeteilt, dass ich zu früh dran sei, da mein Arbeitsvertrag erst am 1. März beginnen würde. Ihr Supervisor hätte ihr mitgeteilt, dass ausschliesslich Registrierungen maximal 14 Tage vor Arbeitsbeginn bearbeitet werden. Ich sollte in 2 Wochen noch einmal wiederkommen. Na toll. Ich erklärte ihr, dass ich heute extra aus Stockholm hergeflogen sei und ich nicht in 2 Wochen wiederkommen könne. Es änderte jedoch nichts an ihrer Entscheidung meinen Antrag nicht zu bearbeiten. Ich werde dann also doch direkt in Tromsø zur Polizei gehen. Es wäre schön gewesen, wenn die UDI solche Informationen auf ihrer Webseite veröffentlichen würde. Aber ich denke das wird in jedem Service Centre individuell gehandhabt. In Schweden haben wir uns zwei Monate vor Arbeitsbeginn um die Aufenthaltsgenehmigung vom Migrationsverket gekümmert.
