Ende diesen Monats bin ich seit 8 Monaten in Norwegen. Eine Sache, die ich für mich festgestellt habe, ist das man hier oft Probleme mit irgendwelchen Firmen hat. Termine werden einfach nicht eingehalten, Lieferungen kommen nicht zum vereinbarten Zeitpunkt oder man wird einfach vom Kundenservice verarscht. Ich bin mir nicht sicher, ob das überall so in Norwegen ist oder einfach daran liegt, dass wir in Nord-Norwegen leben. Gestern habe ich mich jedenfalls wieder tierisch über einen norwegischen Stromanbieter aufgeregt. Doch von vorne.

Bei uns in Tromsø funktioniert das mit dem Strom so ähnlich wie in Deutschland (seit dem der Energiemarkt vor einigen Jahren liberalisiert wurde). Die Stromleitungen gehören einem Anbieter, dem man zur Nutzung einen monatlichen Betrag bezahlen muss. Unabhängig davon kann man sich einen Stromanbieter suchen, an den man dann den monatlichen Strompreis nach Verbrauch bezahlt. Das hat für Kunden leider den Nachteil, dass man sich mit zwei Firmen rumschlagen muss. In Schweden war das besser geregelt. Dort hatten wir es mit einem Stromanbieter zu tun. Okay das war Vattenfall, denen auch die Leitungen gehören, aber es war super einfach für uns. In Schweden wurde der Stromverbrauch elektronisch an den Anbieter übermittelt. Jeden zweiten Monat gab es eine exakte Abrechnung und wir haben genau das bezahlt, was wir wirklich verbraucht haben. Hier in Norwegen bekomme ich am letzten Tag des Monats eine Erinnerung per SMS, dass ich meinen Zählerstand ablesen und per SMS einschicken soll. Man hat dafür aber nur einen Tag Zeit. Blöd wenn man gerade verreist ist, dann wird man nämlich geschätzt. Hat man zwei verschiedene Anbieter, einen Netzinhaber und einen Stromanbieter, muss man zwei SMS schicken.

Jedenfalls hatte ich mich am 11. Mai 2011 beim Stromanbieter Telinet Energi angemeldet und meinen Zählerstand auf deren Webseite eingegeben. Normalerweise kontaktiert der neue Stromlieferant des Kunden der wechseln will dann den Netzinhaber und sagt diesem Bescheid, dass der Kunde gewechselt hat. Ich hörte eine Weile nichts und wunderte mich nach einem Monat, dass ich immer noch vom alten Stromlieferanten abgerechnet wurde. Nach einer Anfrage via Email wurde mit mitgeteilt, dass die eingegebene Zählernummer (die ich am Zähler abgelesen hatte) nicht korrekt war. Man muss die „interne“ Zählernummer des Netzinhabers angeben, die man natürlich nur beim Netzinhaber selbst erfragen kann. Ich rief beim Netzinhaber (Troms Kraft Nett AS) an und bekam die korrekte Zählernummer. Hier stellt sich die Frage, warum Telinet Energi sich nicht bei mir gemeldet hat, nachdem klar war das die Zählernummer nicht stimmte, aber gut. Ich gab die Daten erneut ein und war guter Dinge.

Am 2. Juli 2011 bekam ich überraschenderweise einen Brief von Troms Kraft Nett AS das ich keinen Stromlieferanten gewählt habe und sie damit gesetzlich verpflichtet sind, mich Ende Juli in einen Vertrag zu stecken der sich „Netteiers Levereringsplikt“ (Pflicht des Netzanbieters zur Lieferung von Strom) zu stecken. Mir wurde mitgeteilt, dass diese Art von Vertrag für Kunden sehr ungünstig ist und ich mir einen Stromlieferanten suchen soll. Ich schrieb erneut eine Email an Telinet Energi und fragte nach was da passiert sei, da sie mir doch eigentlich Anfang Juni bestätigt hatten das ich jetzt Kunde bin. Sie schrieben zurück das die Anfrage zum Wechsel erneut abgewiesen wurde, da die Zählerinformationen erneut falsch waren. Warum zum Henker melden die sich dann nicht bei mir?? Ich gab alles erneut ein. Antwort: wir benötigen eine Ablesung, die nicht älter als 5 Tage ist. Okay, hier neue Ablesung - viel Spaß damit. Ich schrieb in perfektem Norwegisch, dass sie mich unbedingt anrufen sollen falls es wieder Probleme gibt!

Am 14. Juli bekam ich als Antwort, dass mein Zählerstand nun registriert sei - cool. Ich wurde stutzig als ich weiterhin nur Erinnerungs-SMS von Troms Kraft Nett AS zum Ablesen des Zählers bekam, aber keine von Telinet Energi. Auf Nachfrage bei Troms Kraft wurde mir dann mitgeteilt, dass die Wechselanfrage erneut abgewiesen wurde, da das Datum auf dem Antragsformular, welches Telinet Energi eingeschickt hatte, falsch sei. Gleichzeitig bekam ich im August meine erste Rechnung - natürlich im Vertrag „Netteiers Levereringsplikt“. Die Kilowattstunde war viel teurer und man bezahlt eine Einmalgebühr an den Netzinhaber. Ich war echt sauer, schrieb eine unfreundliche Email an Telinet Energi und meldete mich bei Gudbrandsdal Energi als Stromlieferant an. Bei Gudbrandsdal ging auch alles reibungslos. Sie registrierten mich bei Troms Kraft Nett AS und mein Vertrag mit Gudbrandsdal Energi begann am 19. September 2011.

Gestern kam der Hammer mit der Post. Ich erhielt eine „Abschlussrechnung“ von Telinet Energi. Auf wundersame Art und Weise war ich auf einmal am 6. September 2011 Kunde geworden. Ganze 2 Wochen, da mein neuer Vertrag mit Gudbrandsdal ja am 19. September 2011 anfing. Neben 7 Euro für verbrauchten Strom soll ich 45 Euro einmalige Jahresgebühr bezahlen. Bei soviel Dreistigkeit klappt mir echt die Kinnlade runter. Am 11. Mai hatte ich mich bei denen angemeldet. Zufällig soll es 2 Wochen vor meinem Anbieterwechsel Kunde bei den geworden sein, wahrscheinlich um doch noch die Jahresgebühr zu kassieren. Jedoch wurde ich vorher nie vom Telinet Kundenservice kontaktiert, wenn es ein Problem gab.

Naja ich habe erstmal einen Brief hingeschrieben und mich zusätzlich mit dem Forbrukerrådet (Verbraucherschutz) in Verbindung gesetzt. Von denen kam nach 2 Tagen eine Antwort per Email. Mir wurde die Elklagenemnda ans Herz gelegt. Das ist eine Institution, die sich ausschließlich um Konflikte zwischen Stromlieferanten oder Netzbetreibern und Endverbrauchern kümmert. Man soll die Elklagenemnda jedoch erst einschalten, nachdem man selbst versucht hat das Problem aus der Welt zu schaffen. Schauen wir mal wie es weitergeht.


Ein Vorteil wenn man in Norwegen lebt - man ist nicht weit von der schwedischen oder finnischen Grenze entfernt. Ich muss schon sagen, dass einige Sachen in Norwegen echt übel teuer sind. Das wird auch von den hohen Gehältern nicht aufgewogen finde ich. Ich verdiene hier zirka 25% mehr als in Schweden. Schon bei der Miete zahlen wir aber mehr als doppelt so viel als in Schweden (12.000 NOK). Lebensmittel, Benzin etc. sind natürlich auch teurer. Aber ich will nicht jammern, da wir natürlich freiwillig nach Norwegen gegangen sind. Man sollte bloß nicht glauben, dass man am Ende des Monats mehr Geld in der Tasche hat.

Zurück zum Thema. Die finnische Grenze ist zirka 150 km oder 2,5 Stunden von Tromsø entfernt. Direkt hinter der Grenze gibt es einen kleinen Grenzort der Kilpisjärvi heißt. In Kilpis lebt man hauptsächlich vom Tourismus und natürlich von den norwegischen Einkäufern. Es gibt einen kleinen Supermarkt, einen Sport- und Angelladen, eine Tankstelle, ein Restaurant, Holzhütten zum Mieten, Helikopter-Rundflüge, Angelmöglichkeiten und natürlich viele Rentiere. Wir haben es uns zur Angewohnheit gemacht, aller 2 Monate nach Kilpisjärvi zu fahren und dort einen größeren Einkauf zu machen. Wir kaufen dort unter anderem Haushaltwaren, also Spülmittel, Geschirrspültabs, Seife, Waschmittel usw. Dann noch Zigaretten, lang haltbare Lebensmittel wie Müsli, Schokolade, Erdnussbutter, Ketchup etc. Natürlich tanken wir auch. Hochprozentigen Alkohol gibt es in Kilpisjärvi nicht zu kaufen, da es in Finnland genau wie in Schweden und Norwegen ein staatliches Monopol auf Alkoholverkauf gibt. Der nächste Alko (die finnische Version vom Systembolaget oder Vinmonopolet) ist weitere 130 km hinter der Grenze in Enontekiö. Alleine beim Kauf von Bier, Zigaretten und Benzin spart man ordentlich. Zum Vergleich. Die Stange Marlboro Gold kostet in Finnland 50 Euro in Norwegen 110 Euro. Eine Dose finnisches Bier (III-OLUT) 0,33l kostet 0,83 Euro. In Norwegen kostet eine Dose Carlsberg 0,33l ungefähr 2,60 Euro. Ein Liter Diesel kostet in Finnland 1,39 Euro, in Norwegen 1,77 Euro. Es ist also nicht wirklich schwer mehrere hundert Euro zu sparen. 

Dabei darf man nicht vergessen, dass der K-Market in Kilpisjärvi sicherlich nicht der billigste Laden in Finnland ist. Ich kann mir vorstellen, dass es in Supermärkten in Helsinki, Turku oder Oulu noch preiswerter ist. Kurioserweise stammt die Mehrzahl der im K-Market verkauften Waren von der Firma Pírkka. Die scheinen wirklich alles herzustellen, Bier, Schokolade, Duschgel, Ketchup.

Bisher wurden wir an der Grenze auch noch nie kontrolliert. Auf norwegischer Seite gibt es gar keine Zollstation. Auf der finnischen Seite kommt zirka einen Kilometer hinter der Staatsgrenze eine Zollstation. Es kann natürlich sein, dass sich Norweger und Finnen den Job teilen. Normalerweise müsste es den Finnen ja egal sein, wie viel Alkohol und Tabak man zollfrei ausführt. Den Norwegern hingegen nicht.

Wirklich schön ist außerdem die Fahrt von Tromsø nach Kilpisjärvi. Man fährt direkt an den Lyngen Alpen vorbei. Die Straße schlängelt sich an Schluchten und Bergen vorbei nach Finnland, wo es auf einmal sehr flach wird. Hinter der Grenze müsst ihr tierisch aufpassen, da es wirklich sehr viele Rentiere gibt, die eine Straße nicht wirklich als Hindernis ansehen.


Am 29. September 2011 wird ein neuer Tunnel in der Nähe von Tromsø eröffnet. Die Ryaforbindelsen verbindet dann die Südspitze von Kvaløya mit dem Festland und ersetzt die Fähre von Vikran nach Larseng. Der neue Tunnel ist 3,2 km lang und hat ungefähr 35 Mio. Euro gekostet. Da man 80 im Tunnel fahren darf, verkürzt sich die Fahrzeit von 30 Minuten Fähre auf 5 Minuten mit dem Auto. Allerdings ist die Durchfahrt nicht umsonst. Zum ersten Mal wird ab dem 30. September ein Maut System eingesetzt, mit dem die Baukosten teilweise gegen finanziert werden sollen.

Das Maut System funktioniert ganz genau so wie die Maut in Stockholm. Über der Straße sind Kameras angebracht, die bei der Durchfahrt ein Foto vom Nummernschild machen. Das die Nummernschilder im Winter wegen Schnee, Matsch und Dreck kaum zu erkennen sind, hat man sicherlich einkalkuliert. Bei jeder Durchfahrt wird man also fotografiert. Es gibt 4 Möglichkeiten zu bezahlen. Entweder wartet man auf eine Rechnung per Post. Das ist dann ganz genau so wie in Stockholm, wo man auch einmal im Monat eine Abrechnung für alle Durchfahrten bekommt. Alternativ dazu kann man auch im Internet bezahlen oder an eine Servicestation gehen und dort bar bezahlen. Ich denke in diesem Fall muss man nur sein Nummernschild sagen und wird im System nachgeschlagen. Für diese drei Zahlungsmöglichkeiten wird kein Rabatt angeboten. Man bezahlt immer den vollen Betrag von 100 NOK pro Durchfahrt der Ryaforbindelsen. Die Fähre kostet aktuell 61 NOK für das Auto (inkl. Fahrer) und jeweils 25 NOK für weitere Erwachsene.

Fährt man öfters durch den neuen Tunnel, z.B. weil man nach Tromsø zur Arbeit pendelt, sollte man die vierte Zahlungsart wählen, den AutoPASS. Nadine hat zum Beispiel eine Arbeitskollegin im Scandic Hotel, die in Vikran wohnt und jeden Tag nach Tromsø muss. Ich schätze mal, dass die sich einen AutoPASS holen wird. Der AutoPASS ist eine Art Vignette bzw. kleiner Kasten mit einem eingebauten Chip, wenn ich das richtig verstanden habe, der an der Frontscheibe angebracht werden muss. Man schließt eine Art Vertrag mit AutoPASS ab und erhält nach ein paar Tagen seinen individuellen Kasten mit der Post. Fährt man jetzt mit dem AutoPASS durch die Ryaforbindelsen, bekommt man schon mal 10% Rabatt. Das Geld wird direkt von der Kreditkarte abgebucht, die man bei Vertragsabschluss angeben muss. Entscheidet man sich für einen Prepaid Vertrag, fällt der Rabatt noch höher aus. Maximal bekommt man 50% Rabatt, wenn man 10.000 NOK als Vorschuss zahlt. Einmal nach Tromsø und zurück pendeln, kostet dann nur noch 100 NOK statt 200 NOK. Geht man von rund 21 Arbeitstagen im Monat aus, entspricht das 2100 NOK im Monat. Ich denke das geht noch. Den Betrag spart man locker ein, wenn man sich eine Mietwohnung auf dem Festland statt in Tromsø sucht. Außerdem kann man Ausgaben für den Arbeitsweg in Norwegen von der Steuer absetzen. Allerdings bin ich mir nicht sicher das die Straßen im Winter immer sofort schneefrei sind.

Der AutoPASS ist übrigens in ganz Norwegen gültig. Eine Übersicht über alle Mautstellen, an denen der AutoPASS benutzt werden kann, findet ihr hier. Am 29. September kann man den Tunnel der Ryaforbindelsen übrigens kostenlos nutzen, da das Maut System erst am 30. September aktiviert wird. Happy Days. Leider eine Woche zu spät, da wir am Wochenende mal zur Malangen Brygger fahren wollen und dafür noch die Fähre nach Vikran nehmen müssen.

So nun wird es aber mal wieder Zeit dass ich hier einen Eintrag schreibe. Im Moment passiert immer so viel, dass man zu nichts wirklich kommt.
Wie ja eigentlich alle wissen, arbeite ich seit Juli für Adecco Norge. Ist eigentlich wirklich ganz nett, mal abgesehen von den Zeiten wo man zu Hause sitzt und auf einen Anruf wartet. Dies blieb mir seit Mitte August erspart, denn das Scandic Hotel hatte mich und eine Kollegin von Adecco Vollzeit bis zum 09. Oktober gebucht.

Kurz darauf entdeckte meine liebe Kollegin Dagmara, dass das Scandic 2 Leute für 100 Prozent Stellen sucht. 100 Prozent Stellen als Zimmermädchen zu bekommen, ist wirklich nicht leicht. Eine Scandic Mitarbeiterin musste 3 Jahre arbeiten bevor sie die 100% Stelle bekam.

Der Hotelboss, Kjell-Olav, ein sehr netter Mann, trat dann also in Verhandlungen mit Adecco, da wir abgekauft werden müssen. Klar hätten wir einfach kündigen können und dort anfangen können, aber das Scandic braucht die Hilfe von Adecco und deswegen wollte er lieber den "richtigen" Weg gehen.

Am 12. September haben Dagmara und ich jeweils einen 100 Prozent Vertrag im Scandic Tromsø unterschrieben. Da sie uns vorher schon bis zum 09. Oktober über Adecco gebucht hatten, fängt unser offizieller erster Arbeitstag am 10.10. an.

Das spielt im Endeffekt aber keine Rolle, denn wir gehören schon zum Team. Arbeitskleidung und alles haben wir bereits von Scandic, nur der Lohn fehlt noch.

Also somit kann ich wirklich sagen, dass Norwegen meinem Arbeitsleben und auch meinem Bankkonto sehr gut tut.


Seit Beginn dieser Saison hat der 1.FC Köln bekanntlich einen norwegischen Trainer. Ståle Solbakken heißt der gute Mann, der im Mai den Chefsessel beim FC übernommen hat. Vorher hatte er den FC Kopenhagen zur dänischen Meisterschaft geführt. Ich lehne mich glaube nicht sehr weit aus dem Fenster, wenn ich sage das ihm das in Köln nicht gelingen wird. Eigentlich hatte Solbakken ja auch noch einen Vorvertrag mit dem norwegischen Fußballverbund um 2012 die Nationalmannschaft zu übernehmen. Irgendwie gab es da jedoch eine Ausstiegsklausel, keine Ahnung. Jedenfalls ist er jetzt in Köln.

Nun ist der 1.FC Köln ja keine Mannschaft, wo man bei ausbleibendem Erfolg lange am Trainer festhält. Vor ein paar Monaten hatte ich auf einem anderen Blog gemutmasst, dass er keine 10 Spieltage in Köln bleiben würde. Was ich gestern von Kim, unserem Chef im Büro, erfahren habe - zum Trainerstab gehört seit 2 Spieltagen auch jemand aus Tromsø. Bjørn Vidar Stenersen ist wohl seit der Fussball Jugend mit Kim befreundet und eigentlich seit 2008 Physio Trainer bei TIL. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat Björn einen 4-Jahres Vertrag mit TIL, wird aber für die laufende Bundesliga Saison an den 1.FC Köln ausgeliehen. Den Tipp Björn einzustellen, hat Ståle Solbakken angeblich direkt von Per Mathias Høgmo, dem Cheftrainer von Tromsø IL den wir neulich übrigens beim Joggen im Park getroffen haben.

Seit zwei Spieltagen ist Björn nun unten in Köln und arbeitet im Trainerstab mit. Beim 1.FC Köln ist natürlich alles viel größer als bei Tromsø IL. Man steht die ganze Zeit im Rampenlicht. Zu jedem Training kommen 5000 Fans und die Presse. Es gibt Heimspiele von TIL wo weniger Zuschauer kommen. Natürlich ist Björn auch klar, dass der Job in Köln keinesfalls sicher ist und seine Position als Physio Coach vom Erfolg der Mannschaft und vor allem von Solbakken abhängt. Ganz lustig war eine SMS die Kim letztes Wochenende nach dem überraschenden 1:4 Auswärtserfolg von Köln über Leverkusen bekommen hat. „Juhu ich habe nächste Woche noch einen Job“


Letzte Woche waren ja bekanntlich Kommunalwahlen in Norwegen. Überraschenderweise kommt es zu einem Regierungswechsel in Tromsø. Die sozialdemokratische Arbeiderpartiet, die meines Wissens nach die letzten 12 Jahre in Tromsø das Sagen hatte, wird abgelöst. In den nächsten vier Jahren wird ein Bündnis von drei Parteien die Stadt regieren. Høyre, die konservativ, liberale Partei, hat 36% der Stimmen geholt. Das sind unglaubliche 25% mehr als 2007. Selten war der Begriff Erdrutschsieg passender als hier. Mir ist bis jetzt noch nicht ganz klar, was die Wähler so verprellt hat, dass sie von der Arbeiderpartiet in Tromsø abgerückt sind und Høyre gewählt haben.

Wenn eine Partei um 25 Prozent zulegt, dann bleibt natürlich für die anderen nicht mehr besonders viel übrig. Auch die anderen beiden Bündnisparteien verlieren Wähler. Die rechts konservative Fremskrittspartiet verliert im ganzen Land und auch in Tromsø deutlich und landet bei rund 11 Prozent. Auch die Venstre Partei wird weniger gewählt als 2007. Diese Partei macht nach eigener Aussage eine sozialliberale Politik. Mir ist schleierhaft wie Venstre und Fremskrittspartiet ein Regierungsbündnis eingehen können. Man kann sich das ungefähr so vorstellen, als ob es in Deutschland ein Regierungsbündnis zwischen CDU, den Republikanern und der Linkspartei geben würde. Sehr merkwürdig. Allerdings glaube ich nicht, dass die Wahl einen sehr großen Einfluss auf unser Leben in Tromsø haben wird. Eine wirklich beeinflussende Wahl gibt es erst wieder 2013 wenn die Regierung gewählt wird.

Wie bereits angeschnitten, wurden die Kommunalwahlen an einem Montag durchgeführt. Ich habe bis jetzt keine Ahnung warum und welchen Vorteil das haben soll. Jedenfalls hatte das deutliche Auswirkungen auf das öffentliche Leben. Alle Kindergärten in Tromsø waren geschlossen, so dass einige meiner Kollegen zuhause bleiben mussten. Da es am Wahltag kein Problem für mich war, auf dem sonst überfüllten Parkplatz an unserem Büro einen Parkplatz zu finden, denke ich das es vielen anderen Eltern ähnlich ergangen ist. An diesem Montag waren auch viele anderen staatliche Einrichtungen geschlossen, zum Beispiel die staatliche Ladenkette für Alkoholverkauf. Auch in Supermärkten durfte an diesem Tag kein Bier verkauft werden. Kein Alkoholverkauf - ich glaube das wäre ein Grund dafür, warum eine Wahl am Montag in Deutschland nicht funktionieren würde. Nimmt man alles zusammen, ein Tag keine Einnahmen durch Alkoholverkauf und gefühlt 10% weniger Leute die zur Arbeit erscheinen, ist das schon ein recht hoher Preis dafür eine Kommunalwahl am Montag zu haben. Auf der anderen Seite ist die Wahlbeteiligung mit über 61% schon deutlich besser als bei Kommunalwahlen in Deutschland.

In Norwegen finden heute Kommunalwahlen statt, an denen wir leider nicht teilnehmen können. Im Moment ist mir noch nicht ganz klar, wer bei Kommunalwahlen wählen darf und wer nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass man keine norwegische Staatsbürgerschaft haben muss. Einige Freunde, die ebenfalls eingewandert sind, haben nämlich eine Wahleinladung bekommen. Ich könnte mir vorstellen, dass man einige Jahre in Norwegen gelebt haben muss um für die Kommunalwahl stimmberechtigt zu sein.

In Tromsø gibt es 27 Wahlkreise und 52.000 stimmberechtigte Wähler. Man kann davon ausgehen, dass die Wahlbeteiligung über 75% liegen wird. Etwas eigenartig finde ich, dass der Wahltermin auf einen Montag gelegt wurde. In Deutschland und Schweden finden Wahlen immer an einem Sonntag statt. Warum das hier in Norwegen anders ist, keine Ahnung. Persönlich würde ich eigentlich davon ausgehen, dass viele Leute keine Lust haben vor oder nach der Arbeit ins Wahllokal zu rennen. Eigentlich kann ich mir das nur so erklären, dass die Wahl immer am 12. September stattfinden muss, unabhängig davon welcher Wochentag das ist. Dazu muss man allerdings sagen, dass man auch gestern (Sonntag) schon wählen gehen konnte, quasi zur Vorhand Wahl. Das haben allerdings nur 8200 Wähler aus Tromsø getan, also weniger als 20% der Stimmberechtigten.

Parteien mäßig habe ich auch noch nicht den vollen Durchblick in Norwegen. Es gibt die Arbeiterpartei, die zur Zeit die Regierung stellen. Diese Partei hat nach dem Amoklauf auf Utøya noch mehr Sympathien erhalten und wird wohl in den meisten Wahlkreisen stärkste Partei werden. Die „Arbeiderpartiet“ kann man mit der SPD vergleichen. Die zweitstärkste Partei sind die Høyre (die Rechten). Das klingt schlimm, es handelt sich aber um eine konservative, bürgerliche Partei ähnlich der CDU. Die drittstärkste Partei ist die Fremskrittspartiet, die eine sehr nationalistische Politik propagiert. Die Fremskrittspartiet macht sich gegen politische Flüchtlinge und Asylanten, gegen eine Moschee in Tromsø und Samisch als offizielle Amtsprache stark. Also schon eindeutig auf der rechten Seite muss man sagen. Aus dem Wahlprospekt habe ich ansonsten entnommen, dass man vor allem Projekte zum Ausbau der Infrastruktur in Nord-Norwegen ankurbeln will. Für die Fremskrittspartiet scheinen Autofahrer außerdem unheimlich wichtig zu sein. Bei jedem im Wahprospekt vorgestellten Wahlkandidaten war angegeben, welches Auto er fährt. Glückwunsch das ihr alle (mit einer Ausnahme) Audi, Lexus oder Mercedes fahrt. Naja wer was kompensieren muss.

Etwas nervig an der Kommunalwahl finde ich den „Telefonspam“. Seit einer Woche bekomme ich ständig automatisierte Anrufe von einem Computer, der versucht mit mir eine Wahlumfrage auf Norwegisch durchzuführen. Mindestens drei oder vier solcher Anrufe habe ich schon bekommen. I could not care less.